
Ocimum basilicum
Der Ausdruck Basilikum soll aus dem Altgriechischen Basilikon ("Königspflanze")
kommen, selbst abgeleitet von Basileus, König, aus dem
Niederlateinischen Basilicum, königlich, weil dieses Kraut sehr
geschätzt wurde.
Diese Pflanze, wahrscheinlich stammend aus dem Iran oder aus
Indien, kam über den Mittleren Osten nach Europa: nach Italien
und Südfrankreich im XV. Jahrhundert, nach England im XVII.
Jahrhundert, dann nach Amerika mit den ersten Auswanderern.
Ocimum tenuiflorum, das heilige Basilikum, ist eine Sorte, die
nahe buddhistischer Tempel angebaut wurde, wie in Thailand.
In Indien ist das Basilikum eine heilige Pflanze, niedergelegt
bei Opfergaben an Vishnu, dem Beschützer der Welt, und an
Krishna, dem Gott als Retter der Welt.
In Gallien sammelten die Bewohner das Basilikum im Juli/August,
wenn es blühte, wobei sich die Pflücker dieser heiligen Pflanze
strikten Reinigungsritualen unterwerfen mussten: die pflückende
Hand in den Wassern dreier verschiedener Quellen waschen,
bestimmte Kleider tragen, sich von unreinen Personen fern halten
(Frauen während der Menstruation) und keine Werkzeuge aus Metall
verwenden, um die Stängel zu schneiden. Es wurde als heilige
Pflanze betrachtet, da man ihm die Kraft zuschrieb, es könne
Schläge und Verletzungen heilen, vor allem die der Arkebuse. Es
wurde daher dem rote Wundwasser beigemischt.
Anwendungen
Für die Ernährung
Als frisches aromatisches Kraut mit Salaten, schön reifen
Tomaten, Zucchini, Knoblauch, Muscheln, Fisch (Rotbarsch),
Rührei, Hähnchen, Kaninchen, Ente, Rohkostsalaten, Reissalaten,
Pasta und Saucen (Vinaigretten, mit Zitrone, mit Olivenöl). Es
wird vorzugsweise roh verwendet, denn es darf nicht lange
gekocht werden, da sonst der Geschmack verloren geht. Bei warmen
Gerichten muss man es kurz vor dem Servieren hinzugeben, damit
seine lebendige und frische Würze erhalten bleibt. Auch für den
Erhalt seines Aroma darf es nicht gemixt, sondern muss in einem
Mörser mit einem Stößel zerrieben werden.
· Pesto (Ligurien), es ist das Rezept aus dem Nordwestens
Italiens, wo Basilikum verehrt wird. Zerrieben mit Olivenöl,
Pecorino (eventuell Parmesan), Pinienkernen und Knoblauch ergibt
dies eine cremige Sauce zum Begleiten von Pasta.
· Pistou (Südfrankreich): dieses Rezept gleicht dem
italienischen Pesto, wird aber ohne Pinienkerne zubereitet, als
Begleitung für sommerliche Gemüsesuppen und weiß Bohnen, Pasta,
frittierte Zucchini oder Auberginen.
Als Heilpflanze
· Verwendeter Teil: Blätter und Blütenspitzen
· Eigenschaft: regt den Appetit an, lindert Blähungen, fördert
die Milchabsonderung
· Anwendungsform: Kräutertee, Pulver, Essenz, Arzneiwein,
Umschlag
Beruhigend, lindert Krämpfe des Verdauungsweges, harntreibend,
antibakteriell, gegen Verdauungsstörungen und gegen Würmer
wirksam. Es soll Stechmücken fern halten und gegen
Nachtblindheit helfen.
Beschreibung
Der Zimtbaum erreicht eine Höhe von 10 bis 15 Metern. Seine
Blätter sind glänzend grün, haben eine längliche Form und sind 7
bis 18 cm lang. Seine Blüten haben eine grünliche Farbe und
einen eher unangenehmen Geruch. Die Frucht des Zimtbaums besteht
aus einer purpurfarbenen Beere mit 1 cm Durchmesser. Die Schale
wird während der Regenzeit geerntet. Daraus entstehen die
Zimtstangen.
Verwendung
Der Zimt ist seit der Antike bekannt, und er wurde von den alten
Ägyptern beim Einbalsamieren verwendet.
Der Baum wird überall in der Welt angebaut, aber die beste
Qualität wird in Sri Lanka erzielt. Hier verfügt er über eine
schöne hellgelb-braune Farbe, einen stark duftenden Geruch und
einen besonders zarten, warmen und angenehmen aromatischen
Geschmack. Sein Aroma verdankt er dem aromatischen Öl, das er
enthält.
Zimt findet man in zahlreichen Zubereitungen wieder, vom
Mittelalter bis heute.
Dieses Gewürz ist u.a. auch in dem famosen Hypocras enthalten,
einem mittelalterlichen Getränk.
Der Zimt wird
hauptsächlich in der Küche als Gewürz und aromatische Substanz
verwendet, in Verbindung mit Äpfeln, bei der Zubereitung von
Schokoladen und Likören, aber auch in der indischen Küche.

Zimtstangen
Produktion
| Produktion in Tonnen | Zahlen 2003-2004 | % |
| China | 47000 | 44 % |
| Indonesien | 39000 | 37 % |
| Sri Lanka | 12200 | 11 % |
| Vietnam | 6000 | 6 % |
| Madagaskar | 1500 | 1 % |
| Seychellen | 230 | 0 % |
| Osttimor | 75 | 0 % |
| Dominica | 55 | 0 % |
| Grenada | 50 | 0 % |
| Sao Tomé und Príncipe | 30 | 0 % |
| Gesamt | 106140 | 100 % |
Er war Teil der Gewürzmischung zur Verarbeitung von Rotwein (der
im Mittelalter schwer haltbar gemacht werden konnte), dem
Hypokras, den mal als Aperitif servierte. Er wird in Europa kaum
verwendet, außer im Lebkuchen; und in der Küche skandinavischer
Länder. Man verwendet ihn oft auch zum Parfümieren von Kaffee
oder Chai-Tee.
4. Zitronengras
Das Zitronengras oder indisches oder madagassisches Zitronengras
ist eine tropische krautige Pflanze der Familie der Poaceae (Gramineae),
angebaut für ihre Stängel und Blätter mit aromatischen
Qualitäten (Zitronengeschmack).
Wissenschaftlicher Name: Cymbopogon citratus (DC.), Familie der
Poaceae, Unterfamilie der Panicoideae, Tribus der Andropogoneae.
Umgangssprachliche Namen: Zitronengras, Zitronenkraut, indisches
Eisenkraut, Duftkraut.
Bei der Parfümherstellung ist sie unter dem Namen Lemongras
bekannt.

Beschreibung
Krautige Pflanze mit aufrechten geradlinigen langen Blättern, 90
cm bis 2 m lang, mit rauen und schneidenden Kanten, mit einer
ziemlich blassgrünen Farbe.
Mehrjährige Pflanze dank ihrer Rhizome.
Verteilung
Die Pflanze stammt aus dem Süden Indiens. Man findet sie auch in
verschiedenen Regionen Afrikas.
Verwendung
Der untere Teil der frischen Stängel, in Streifen geschnitten,
dient zum Würzen von Rohkost, Salaten, Marinaden, Suppen... Sie
ist ein traditioneller Bestandteil der Küche des südöstlichen
Asiens (Indien, Thailand, Vietnam, Indonesien...). Die
thailändischen oder vietnamesischen Köche verwenden die Stängel
des Zitronengrases, um ihren Gerichten einen Zitronengeschmack
zu geben. Man verzehrt nur den zartesten Teil dieses "Duftkrauts",
also 6 bis 7 cm des unteren Teils der Stängel.
Man extrahiert auch ein ätherisches Öl daraus, das als
Schutzmittel gegen Stechmücken verwendet wird.


Kulturanbau
| Produktion in Tonnen | Zahlen 2003-2004 | % |
| Indien | 275000 | 27 % |
| China | 259719 | 25 % |
| Indonesien | 151000 | 15 % |
| Nigeria | 110000 | 11 % |
| Nepal | 90000 | 9 % |
| Bangladesh | 43000 | 4 % |
| Thailand | 33000 | 3 % |
| Philippinen | 30000 | 3 % |
| Andere Länder | 39259 | 4 % |
| Gesamt | 1030978 | 100 % |
Verwendung von
Ingwer
für die Ernährung
· Die jungen Wurzeln des Ingwers sind saftig und fleischig mit
einem sehr süßen Geschmack. Man verwendet sie eingelegt in Essig
in der japanischen Küche oder als Zutat in der Masala in der
indischen Küche.
· Die reifen Wurzeln sind fasrig, beinahe trocken, und sie sind
stärker im Geschmack. Wenn diese älter werden wird ihr Geschmack
sehr stark, und sie werden oft in der chinesischen Küche
verwendet, um starke Gerüche und Aromen wie die von
Meeresfrüchten und von Schaf zu überdecken. Dieses scharfe und
schlecht riechende Aroma ist dem Zingerone zu verdanken.
· Eingelegter Ingwer (Gari) wird verwendet, um den Gaumen
zwischen verschiedenen Sushis aufzufrischen.
· Ingwer wird auch in der Konditorei verwendet, um Gebäck und
Kuchen ein bestimmtes Aroma zu verleihen, und er ist der
wichtigste Geschmacksstoff des Gingerales, einem sprudelnden
kanadischen Softdrink ohne Alkohol, und des Gingerbeers, einem
englischen Bier mit Ingwer.
· Trockener Ingwer, in Pulverform, wird verwendet, um Lebkuchen
und andere Rezepte zu würzen. Dieser hat einen völlig anderen
Geschmack als frischer Ingwer, keiner davon könnte durch den
anderen ersetzt werden.
· Ingwer wird in Swahili-Anbaugebieten zum Würzen des Tees
verwendet.
Für die Gesundheit
· Im Jahre 2000 bestätigte eine medizinische Forschungssynthese
die Wirksamkeit von Ingwer gegen Übelkeit nach einer Operation.
Er lindert auch die Kinetose oder Reisekrankheit. Ingwer kann
frisch oder in der Form von Pulver oder Kapseln eingenommen
werden.
· Chinesische Frauen verzehren während der Schwangerschaft
traditionsgemäß Ingwerwurzeln, um die morgendliche Übelkeit zu
bekämpfen.
· Senkt den Wert des Cholesterols, der Triglyceride im Blut, der
Fettsäure und Phospholipide.
· Manche schreiben seiner Wurzel aphrodisische Eigenschaften zu.
6.
Rosmarin
Rosmarin, Rosmarinus officinalis, ist ein strauchartiger Baum
der Familie der Lamiaceae (oder Lippenblütler), der wild im Raum
des Mittelmeers wächst, insbesondere auf kalkhaltigem Boden (südfranzösisches
Heideland). Man kann ihn auch im Garten anpflanzen. Er hat
zahlreiche heilende Eigenschaften, ist aber auch ein Gewürzkraut
und eine Honigpflanze (der Honig des Rosmarins ist berühmt) und
wird häufig bei der Parfümherstellung verwendet. Im Lateinischen
bedeutet der Name wörtlich Meerestau.

Beschreibung
Rosmarin kann bis zu 1,50 m hoch werden. Er ist zu jeder
Jahreszeit leicht erkennbar an seinen immergrünen Blättern ohne
Stiel, robust, weitaus länger als breit, mit leicht eingerollten
Seiten, oben dunkelgrün glänzend, unten weißlich. Sein Geruch,
sehr kampferhaltig, erinnert auch an Weihrauch. Die Blüte
beginnt im Februar (teils im Januar) und dauert bis April/Mai.
Die Farbe der Blüten mit der Form von Trauben, die an Ähren
erinnern, ist blassblau bis violett (seltener findet man die
Sorte mit weißen Blüten, R. officinalis Albiflorus). Wie bei den
meisten Lamiaceae ist die Frucht eine Tetrachäne (brauner Farbe).
Anbau
Rosmarin wird an trockenen und warmen Stellen angebaut. Er
vermehrt sich durch Stecklinge oder Ableger im Frühjahr oder im
Herbst. Er kann eventuell gesät werden.
Verschiedene
Verwendungsmöglichkeiten
Küche
Rosmarin kann sehr leicht getrocknet werden und ist ein
beliebtes Gewürz mit verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten. Man
gibt ihn zu Pfefferragouts, Suppen, Marinaden, Gegrilltem. Man
verwendet ihn auch als Aroma für Pudding oder Konfitüren.
Pflanzenheilkunde
Rosmarin ist bekannt dafür, die Verdauung anzuregen und zu
erleichtern, und insbesondere die Funktion der Gallenblase. Er
ist auch krampflindernd, und seine belebende Wirkung auf das
Nervensystem ermöglicht es, ihn für die Behandlung verschiedener
Fälle von Körperschwäche zu empfehlen.
Die Eigenschaften von Rosmarin sind in den Blättern und den
Blumenenden enthalten. Am einfachsten kann er als Kräutertee (oder
Sud) verwendet werden, wo seine Eigenschaften zur Anregung der
Verdauung Wunder wirken. Für länger dauernde Behandlungen kann
man ihn auch in Kapselform einnehmen, die in der Apotheke
erhältlich sind. Andere Aspekte: das ätherische Öl, das bei
Massagen, im Bad verwendet oder über den Mund eingenommen wird.
Parfümherstellung
Die Verwendung von Rosmarin bei der Parfümherstellung ist schon
sehr alt. Besonders bekannt ist das Wasser der Königin von
Ungarn, ein im XVII. Jahrhundert häufig verwendetes
alkoholisches Destillat, das aus dem XIV. Jahrhundert stammen
könnte und worin Rosmarin einer der Hauptbestandteile war. Der
Name kommt von der Königin Elisabeth von Ungarn, die es 1378 im
Alter von 78 Jahren verwendet haben soll; Das Wasser soll sie
derart verjüngt haben, dass der König von Polen um ihre Hand
angehalten haben soll.
Legende
Einer Legende zufolge war Rosmarin ursprünglich eine Pflanze mit
weißen Blüten. Bevor sie das Jesuskind gebar soll Maria ihr
blaufarbenes Cape auf einen Rosmarinstrauch vor dem Stall gelegt
haben. Das Cape soll auf den Strauch abgefärbt haben, und
seither hat Rosmarin blaue Blüten.
Manche sehen in dieser Legende einen anderen möglichen Ursprung
des Namens Rosmarin, also "Rose Marias" (daher auch die
englische Bezeichnung Rosemary)..
Benennungen
Etymologisch wird der Name Vanille aus dem Spanischen Vainilla
abgeleitet, selbst stammend aus dem Lateinischen Vagina, was
Hülle, Schote oder Etui bedeutet.
Botanische Beschreibung
Ranke der Vanille, auch Vanillebaum bezeichnet, lange Triebe,
die auf ihrem Halt über zehn Meter in die Höhe klettern können.
Wenn der Stiel gebrochen ist, bilden sich sehr leicht Ableger,
was sowohl in der Natur als auch beim Anbau die Vermehrung der
Pflanze ermöglicht.
Die Blätter sind abwechselnd auf jeder Seite des Stiels
angeordnet. Sie können bis zu fünfzehn Zentimeter groß werden.
Der Stiel und die Blätter sind grün, fleischig, getränkt mit
einem durchsichtigen und irritierenden Saft, der auf der Haut
Verbrennungen und andauernden Juckreiz auslöst.
Die Blüten, zu acht oder zehn gruppiert, bilden kleine Sträuße.
Mit ihrer weißen, grünlichen oder blassgelben Farbe haben sie
die klassische Struktur der Blüte einer Orchidee, trotz eines
ziemlich regelmäßigen Erscheinungsbildes.
Vanilleblüte
Die Befruchtung erfordert ein spezielles Hilfsmittel: sie
verläuft in der Herkunftsregion der Vanille natürlich über
Insekten wie der Melipona, eine Bienenart. Nach der Befruchtung
verwandelt sich der Fruchtknoten in eine hängende Schote mit
einer Länge von 12 bis 25 Zentimetern. Die frischen und noch
geruchlosen Schoten haben einen Durchmesser von 7 bis 10
Millimeter. Sie enthalten Tausende von winzigen Samen, die sich
beim Aufplatzen der ausgewachsen Früchte ausbreiten würden, wenn
man sie nicht einsammeln würde, wenn diese noch grün sind.
Verteilung

Derzeitige Verteilung der Vanille als Kulturpflanze
Die Vanille stammt aus feuchten tropischen Wäldern der Ostküste
Mexikos, wo sie im Unterholz gedeiht.
Aber Vanille ist vor allem als für den Anbau als Gewürzpflanze
bekannt. Es ist die Geschichte dieses Gewürzes, die zur
Verbreitung und den Anbau der Pflanze in den meisten feuchten
tropischen Regionen der Welt beitrug.
Geschichte
eines Gewürzes, das die Welt eroberte
Die Tlilxochitl der Azteken
Die Azteken kannten und schätzten bereits die Vanille, die sie
Tlilxochitl nannten. Sie
verwendeten sie hauptsächlich als Aroma für ein Kakaogetränk.
Die Vanille trat ab dem Beginn des XVI. Jahrhunderts am Hof von
Spanien in Erscheinung, aber ihr internationaler Handel
entwickelte sich erst im Jahrhundert danach.
Das mexikanische Monopol
Über zwei Jahrhunderte lang, im XVII. und XVIII. Jahrhundert,
hatte Mexiko, und insbesondere die Region von Veracruz, das
Monopol der Vanille inne.
Alle Versuche, diese Orchidee außerhalb ihres ursprünglichen
natürlichen Raumes zu züchten, scheiterten. Denn bis ins XIX.
Jahrhundert wusste man nicht, dass die Melipona-Bienen
unverzichtbar für die Befruchtung und somit die Bildung der
Frucht waren.
Die Vanille löste in Europa regelrecht Begeisterung aus.
Besonders am Hof von Frankreich wurde sie immer mehr geschätzt,
wo Madame de Montespan ihr Bad damit parfümiert. Davon
beeindruckt beschloss Ludwig XIV. ernsthaft, zu versuchen, die
Ranke auf der Insel Bourbon einzuführen. Die verschiedenen
Versuche, die er unter seiner Herrschaft unternehmen ließ,
misslangen.
Der Einfluss der Insel Bourbon
Die erste künstliche Blütenbestäubung des Vanillebaums wurde
1836 im botanischen Garten von Lüttich vom belgischen
Naturforscher Charles Morren, dann 1837 von dem französischen
Gärtner Joseph Henri François Neumann vorgenommen.
Allerdings entwickelte erst im Jahre 1841 ein zwölf Jahre junger
bourbonischer Sklave, Edmond, das praktische Verfahren, das noch
heute verwendet wird. Diese Methode der Blütenbestäubung, deren
Urheberschaft Jean-Michel-Claude Richard sich aneignen wollte,
machte aus der Insel Bourbon (heute die Réunion) zum Zentrum des
Vanillebaums des Planeten, und dies nur einige Jahrzehnte nach
der dortigen Einführung der Orchidee im Jahre 1819. Bis zur
Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1848 gab man dem jungen
Edmond den Familiennamen Albius, der sich auf die "weiße" Farbe
(alba) der Blüte der Vanille bezog.
Der madagassische Aufschwung
Es sind die Farmer der Réunion, die gegen 1880 den Anbau der
Vanille in Madagaskar einführten. Die ersten Anpflanzungen
fanden auf der Insel Nosy Be statt. Von dort fassten sie Fuß in
den östlichen Regionen der großen Insel, in Antalaha und Sambava,
mit ihrem günstigen feuchten Klima. Die Begeisterung war groß,
und die madagassische Produktion überstieg im Jahre 1929 1.000
Tonnen, also mehr als zehn Mal die der Réunion. Da der Markt
aber nicht geregelt war, erfuhr die Vanille immer wieder Krisen
aus Gründen der Überproduktion.
Trotz des Wettbewerbs anderer tropischer Länder wie Indonesien
und der Entstehung neuer Dynamiken zur Eroberung des Marktes,
wie im Bundesstaat Kerala in Indien, widerstand Madagaskar und
blieb bis heute weltweit erster Exporteur.
Anbauformen
und Gewürzgewinnung
Anbau
Zum Wachsen benötigt die Vanille ein warmes und feuchtes Klima,
einen Halt zum Klettern und genügend Schatten. Es werden vor
allem drei Anbautechniken verwendet, von der extensivsten bis
zur intensivsten:
· im Unterholz, wo Baumstämme als Halterung verwendet werden
· im Wechselanbau, beispielsweise zwischen Zuckerrohr
· unter Sonnenschutz.
Die Farmer pflanzen die Stecklinge, beobachten oder befestigen
die Ranken und achten insbesondere darauf, dass diese so wachsen,
damit man die Schoten später mühelos ernten kann.
Befruchtung
Die Befruchtung muss immer
von Hand gemacht werden, Blüte für Blüte. Das verwendete
Verfahren ist immer noch dasselbe wie das von Edmond Albius
entdeckte. Damit wird früh morgens begonnen (denn die Blüten
haben eine kurze Lebensdauer einige Stunden zu Beginn des Tages),
bei trockenem Wetter (denn Regen hindert die Bildung der Frucht).
Zubereitung
Die Umwandlung der absolut geruchlosen Früchte in ein weiches
und angenehm duftendes Gewürz erfordert eine sorgfältige und
präzise Zubereitung, deren Prinzipien vor langer Zeit in Mexiko
entwickelt wurden. Die einfachste Methode, die so genannte
direkte Zubereitung, besteht darin, die Schote abwechselnd im
Schatten und der Sonne reifen zu lassen, aber die Ergebnisse
sind nicht besonders. Ihr wird folglich die indirekte
Zubereitung vorgezogen, die mit einem brutalen Schock beginnt,
der die Schote "tötet", gefolgt von einer Reihe von Vorgängen
zur Verarbeitung, zum Trocknen und Sortieren, was nahezu zehn
Monate dauert, bevor man das vermarktbare Endprodukt, die
Vanillestange, erhält.
Zum Töten der Schote kann man sie in den Ofen geben, der Kälte
oder Infrarotstrahlen aussetzen, in Alkohol geben usw. Was heute
jedoch meist verwendet wird ist das heiße Wasserbad. So begann
das Verfahren, das im Jahre 1851 von dem Réunioner Ernest Loupy
anhand der mexikanischen Kenntnisse erarbeitet und von David de
Floris verallgemeinert wurde. Die Schritte hiervon sind folgende:
· heiß Abspülen: Körbe aus Weide, gefüllt mit grünen
Vanilleschoten (bis zu 30 kg pro Korb), werden drei Minuten lang
in 63 °C heißes Wasser getaucht;
· Abtropfen: die Schoten werden direkt danach in Decken aus
Wolle in große Kisten gelegt, wo sie zwölf bis vierzehn Stunden
bleiben; so werden sie warm gehalten und verlieren ihren
Wassergehalt, entwickeln sich enzymatisch und erhalten ihre
schöne schwarze Schokoladenfarbe;
· Trocknen: zwei bis sechs Wochen lang, je nach möglichem
Qualitätsniveau, wird die Vanille einige Stunden am Tag
getrocknet, zuerst im Ofen auf Gitterrosten, dann in der Sonne
und schließlich im Schatten, damit beste Qualität erzielt wird;
· Lagern in Truhen: die Reifung verläuft acht Monate lang
geheimnisvoll in Truhen aus Holz, ausgekleidet mit
Pergamentpapier; in dieser Zeit entwickelt sich das Aroma; die
Truhen werden regelmäßig durchsucht, um eventuell verschimmelte
Schoten zu entfernen, die den anderen schaden würden;
· Sortieren nach Größe: die Schoten werden nach ihrer Länge
sortiert, wobei die längsten die besondersten sind;
· Verpackung: üblicherweise werden die Schoten gleicher Länge
gebündelt, ansonsten werden sie in Säckchen gegeben.
Aromatisches
Profil
Die natürlichen Vanille hat ein komplexes Parfüm, gebildet aus
Hunderten verschiedener Aromastoffe. Unter ihnen ist es jedoch
das Molekül von Vanillin (4-Hydroxy-3-Methoxybenzaldehyd),
welches das Aroma der Vanille hauptsächlich bildet und
kennzeichnet.
Marktprodukte
Die handelsübliche Bezeichnung von Vanille bezieht sich auf
zubereitete Schoten mit einer Mindestlänge von 15 Zentimetern.
Eine Qualitätsschote muss um den Finger gewickelt werden können,
ohne dass sie kaputtgeht.
Die allerbeste Qualität bildet die Eisvanille: das Vanillin
kristallisiert sich dabei an der Oberfläche zu leichten
Schneeblüten. Dies ist die intensivste und am feinsten
aromatisierte Vanille.
Die weniger guten Qualitäten sind für den Großhandel bestimmt,
für die industrielle Nahrungsverarbeitung, oder sie werden für
die Zubereitung von Vanilleextrakt oder Vanillepulver verwendet.
Der Vanilleextrakt wird durch Mazeration der Schoten in Alkohol,
das Pulver durch Mahlen erhalten.
Anbauregionen
Der Anbau der Vanille hat sich in verschiedenen feuchten
tropischen Regionen der Welt ausgebreitet. Dabei sind es vor
allem zwei Länder, Madagaskar und Indonesien, die die weltweite
Versorgung gewährleisten. Während die indonesische Produktion in
den 1990er Jahren vorne lag, nimmt Madagaskar heute wieder die
Vorreiterrolle ein.
In Madagaskar lebten im Jahre 2004 80.000 Anbauer von der
Vanille. Sie wird vor allem in der Region von Sava, im Nordosten
der Insel, angebaut, wo man 24.000 der auf der Insel angebauten
29.500 Hektar findet. Die anderen Anbaugebiete findet man zu
1.500 ha um Diego Suarez und zu 3.800 ha in der Region von
Toamasina, dem Hafen, über den man den Export des Gewürzes
tätigt. Auch andere Länder mit langer Vanilletradition versorgen
den Weltmarkt mehr oder weniger bescheiden: Mexiko, die Komoren,
und in geringerem Maße, als Produkt der oberen Preisklasse, die
Inseln Réunion und Tahiti. Die Seychellen oder die Insel
Mauritius dagegen produzieren keine Vanille mehr.
Die Produktionen im Südwesten des Indischen Ozeans können die
Herkunftsbezeichnung Bourbon-Vanille geltend machen, seien sie
aus Madagaskar, den Komoren oder der Insel der Réunion.
Auf der Réunion konzentriert sich die Produktion entlang der
Windküste zwischen Sainte-Suzanne und Bras-Panon. Im komorischen
Archipel findet sie auf Anjouan und Mayotte statt. Sie ist eine
der wenigen Einkommensquellen der Union der Komoren, zusammen
mit der Gewürznelke, einem anderen Gewürz, aus dem man auch
Vanillin herstellen kann.
Es haben neue Länder die Produktion von Vanille begonnen oder
wieder aufgenommen, wie Uganda, der Bundesstaat Kerala in
Indien, Papua-Neuguinea, die Tonga-Inseln usw. Auf der Suche
nach einer Diversifikation landwirtschaftlicher Einkommen und
gutem Profit stehen sie allerdings der Ungewissheit eines stark
schwankenden Marktes für ein Produkt gegenüber, das außerdem
eine strikte und präzise Produktion erfordert, um ein hoch
qualitatives Gewürz zu erhalten.
China produziert ebenfalls Vanille, in der Provinz Yunnan.
Produktionszahlen
| Jahresproduktion (Tonnen) von VanilleQuelle: FAOSTAT | |||||
| 1964 | 1974 | 1984 | 1994 | 2004 | |
| China | 0 | 0 | 0 | 400 | 900 |
| Komoren | 175 | 160 | 160 | 131 | 140 |
| Indonesien | 150 | 300 | 520 | 1770 | 2387 |
| Madagaskar | 1050 | 2283 | 2277 | 1320 | 6000 |
| Mexiko | 90 | 29 | 161 | 167 | 189 |
| Uganda | 10 | 10 | 10 | 20 | 70 |
| Französisch-Polynesien | 100 | 21 | 6 | 13 | 43 |
| Réunion | 45 | 27 | 56 | 33 | 35 |
| Tonga | 0 | 10 | 16 | 100 | 130 |
Industriearomen
im Wettbewerb
Im Jahre 1874 gelingt Dr. Willhelm Haarmann, einem deutschen
Chemiker, die erste künstliche Synthese von Vanillin aus
Coniferin als Extrakt aus dem Harz der Fichte. Aber auch andere
Substanzen mit aromatischem Kern können die Basis für eine
Synthese des Vanillins bilden. Unter Verwendung von Eugenol,
einem Extrakt der Gewürznelke, entwickelte sich die Produktion
und Vermarktung von synthetischem Vanillin.
Synthetisches Vanillin nahm dann einen immer wichtigeren Platz
in der Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie ein. Dank der
geringen Produktionskosten wurde so die allgemeine Verbreitung
des Vanillearomas ermöglicht, wodurch der natürlichen Vanille
jedoch gleichzeitig ein gnadenloser Wettbewerb entstand. Heute
wird die weltweite Produktion von industriellem Vanillin auf ca.
12.000 bis 15.000 Tonnen pro Jahr geschätzt, während das gesamte
natürliche Vanillin, das man aus der weltweiten gewerblichen
Produktion von Vanille gewinnen könnte, weniger als 50 Tonnen
pro Jahr beträgt.
Andere industrielle
Verfahren zur Herstellung von Vanillin ermöglichten es außerdem,
immer kostengünstigere Rohstoffe zu nutzen: petrochemische
Synthese, ausgehend von Lignin Synthese der Rückstände der
Papierherstellung, Oxidation von Kurkumin, gewonnen aus der
Kurkumawurzel oder biotechnologische Präparation durch
kontrollierte Gärung der Rückstände des Fruchtfleischs von
Zuckerrüben aus Zuckerraffinerien.
Da das Molekül chemisch mit dem natürlich vorkommenden gleich
ist wird das Aroma von industriell erzeugtem Vanillin als
natur-identisch bezeichnet. Der europäischen Gesetzgebung
zufolge kann Vanillin in Lebensmitteln einfach als Aromastoff
gekennzeichnet werden, während das amerikanische Recht es
vorschreibt, von künstlichem Aroma (artificial flavouring) zu
sprechen. Die Bezeichnung natürliches Aroma ist dagegen der
Vanille oder dem Vanilleextrakt vorbehalten.
Heilende
Eigenschaften
Bekannt für ihre anregende Wirkung auf das Nervensystem wurde
sie als ätherisches Öl, als Tinktur oder Tee gegen Hysterie,
Depression oder Schwermut verwendet. Sie wurde bei der
Beanspruchung von Muskeln oder gegen Rheumatismus empfohlen.