Nachdem das Interesse durch zahlreiche wissenschaftliche Artikel über die Kunas geweckt wurde, denen zu entnehmen war, deren niedriger Blutdruck sei auf den beträchtlichen Verzehr von Kakao zurückzuführen, organisierte das Schokoladenmuseum Choco-Story eine Expedition nach Panama.
Die Kunas sollen von den Spaniern aus ihrer Heimatregion in Kolumbien nach Panama verjagt worden sein.
Andere Indiostämme wie die Emberas verdrängten sie daraufhin in die Küsten- und Bergregionen.
Dort leben die Kunas in unwirtlichen Gegenden, die teils schwer zu erreichen sind.
Die ursprüngliche Herkunft der Kunas bleibt allerdings ein Rätsel. Manche Forscher sind der Ansicht, sie seien die Nachfahren der Mayas aus Mittelamerika.
Was feststeht, ist, dass sie dieselben Brauchtümer und Traditionen haben, was den Kakao angeht.
Denn die Kunas verzehren jeden Tag Kakao, und sie zelebrieren die Geburt, die Pubertät und den Tod mit Kakao.
Bei Krankheiten verstärken sie bei einer Zeremonie zuerst die Wirkung des Kakaos, wobei der „Nele“ oder Medizinmann des Dorfes singt, um dem Kakao mehr Heilkraft zu verleihen. Die Gesänge sind für Jungen und Mädchen, für Erwachsene usw. unterschiedlich.
Danach verwenden sie diesen „verstärkten“ Kakao bei einer Zeremonie, die von weiteren Gesängen begleitet wird, während der Rauch der Kakaobohnen, die in einem Räuchergefäß unter der Hängematte des Kranken verbrannt werden, diesen einhüllt.
Bei einem ersten Erkundigungsbesuch erfuhren wir, dass die Kunas Kakaobutter gewinnen konnten und sie mit Annatto vermischten, um sich zu schminken, und zusammen mit einer Pflanze, dem „Mageb“, als Salbe verwendeten, um Stiche zu behandeln.
Bei Choco-Story in Brügge hatten wir versucht, Kakaobutter aus Bohnen zu gewinnen, aber ohne Erfolg.
Es war eine echte Überraschung für uns, dieser Kuna-Frau in einer sehr einfachen Hütte dabei zuzusehen, wie sie mit sehr einfachem Werkzeug eine Tasse mit Kakaobutter füllte.
Der Vorgang ist einfach, aber man muss ihn kennen.
Die Bohnen werden geröstet, dann verlesen und gemahlen.
Die so erhaltene Masse wird mit Wasser vermischt und zum Sieden gebracht.
Nach einigen Stunden schwimmt die Kakaobutter nach oben und wird mit einem Löffel abgeschöpft.
Einfach aber beeindruckend und sehr bewegend, wenn man dies sieht.
Die Kunas leben noch völlig autark. Sie pflanzen Maniok, Banane und Kakao an.
Ihre tägliche Nahrung besteht aus einer Mischung aus Kakao und Banane, sie wird „Madun“ bezeichnet.
Sie fischen wenig. Manche jagen, doch ihre Ernährung ist hauptsächlich vegetarisch.
Wie sie haben wir uns im Fluss gewaschen.
Aber unser Trinkwasser und unsere Nahrung waren auf Pferdesrücken ins Dorf gebracht worden. Wir wollten kein Risiko eingehen.
Choco-Story wird ein Buch über die Kunas herausgeben, und wir hoffen, zurückkommen zu können, um ihnen eine Ausgabe davon zu übergeben.




















Panama – Die Kuna-Indianer – 2. Besuch.
Das Interesse, welches das Brügger Schokoladenmuseum Choco-Story den mit Kakao verbundenen Brauchtümern der Indianer Panamas entgegenbringt, wurde durch wissenschaftliche Artikel geweckt.
In diesen Artikeln wird ein Zusammenhang zwischen dem niedrigen Blutdruck der Kuna-Indianer und ihrem regelmäßigen Verzehr von Kakao gemacht.
Dies brachte uns dazu, die Kuna zu besuchen und ihre Traditionen zu analysieren.
In der Region von San Blas besuchten wir die Insel Playon Chico (1200 Einwohner) und in der Region von Darien das Dorf Wala (1000 Einwohner).
San Blas – Playon Chico
Die kleine Insel besteht ausschließlich aus Häusern (Hütten), Kongresszentren, Schulen und Kirchen.
Eine Fußgängerbrücke verbindet die Insel mit der Landepiste auf dem Festland.
Die Bewohner der Region, die Kunas, stammen ursprünglich aus Kolumbien.
Manche sagen, sie wären von den Spaniern verjagt, und in Panama angekommen von anderen Stämmen, besonders den Emberas, in die unwirtlichen Regionen der Inseln und Berge verdrängt worden.
Auf der Insel Playon Chico wurden wir von den Moskitos in Ruhe gelassen. Die gibt es dort nicht. Die Kunas sagen, dies sei der eigentliche Grund, warum sie nicht auf dem Festland leben.
Auf dem Festland haben sie ihre Felder, auf denen sie Kakao, Mais und Maniok anpflanzen.
Die Insel Playon Chico ist von anderen Inseln umgeben, die einen paradiesischer als die anderen.
Die Kuna-Indianer leben in einer matriarchalischen Struktur. Die Frauen haben folglich eine gewisse Macht und nehmen teils Posten ein, um das Volk der Kuna bei der Regierung Panamas zu vertreten.
Jedem Dorf stehen Sahilas oder Dorfweisen vor.
Die Aufnahme von Bildern muss von ihnen genehmigt werden, und der Brauch verlangt, dass hierfür eine Zeremonie abgehalten wird.
Obwohl wir sie nicht verstehen, werden die würdigen und respektvollen Willkommensgrüße der Sahilas wie eine geschichtliche Zeitreise wahrgenommen, die uns nachhaltig beeindruckt.
Nach der Zustimmung der Sahilas können wir unsere Untersuchung starten.
Choco-Story, das Brügger Schokoladenmuseum in Belgien, wollte die Bräuche der Kuna in Bezug auf Kakao analysieren.
Und wir wurden nicht enttäuscht.
Kakao begleitet die Kuna ihr ganzes Leben lang.
Eine Zeremonie, während der Kakaobohnen verbrannt werden, wird bei jedem wichtigen Ereignis im Leben der Kuna-Indianer veranstaltet:
Die Kunas verzehren jeden Tag Kakao in der Form eines Getränks, in dem Kakao mit Banane vermischt wird: Es wird "Madun" bezeichnet.
Zeremonie für die verstärkte Wirkung der Kakaobohnen
Der "Nele-Medizinmann" und Sänger Luis Layans simuliert die Zeremonie für uns, die gefeiert wird, um die Kraft und die Wirkung der Kakaobohnen zu stärken, die dann verbrannt werden, um einen Kranken zu heilen.
Zeremonie auf dem Friedhof
The cemetery is located on a hillside on the mainland overlooking Playon Chico. This means that the inhabitants of Playon Chico can at all times see the cemetery where their ancestors are buried.
Der Friedhof befindet sich am Rande eines Hügels auf dem Festland mit Blick auf Playon Chico. Dies bedeutet demnach, dass die Lebenden von Playon Chico ständig den Friedhof im Blick haben, auf dem ihre Vorfahren begraben sind.
Die Toten werden unter einem Dach aus Stroh (oder Blech) begraben. Die Frauen kommen regelmäßig, um über die Toten zu wachen und verbrennen Kakao, um den Verstorbenen zu helfen, dem Flusslauf zu folgen, der ins Jenseits führt, aber auch um zu zeigen, dass man mit ihnen ist.
Zeremonie für die Steigerung des Denkvermögens
Es dürfte nicht nötig sein, anzumerken, dass alle Expeditionsteilnehmer von Choco-Story an der Zeremonie teilnehmen wollten.
Zuerst erntet der Medizinmann des Dorfes 8 Baumsorten im Wald, dann findet eine Zeremonie statt.
Zu bemerken wäre, dass die Zahl 8 für die Kuna wichtig ist, sie hat einen großen symbolischen Wert.
Zeremonie bei einem Todesfall.
Eine alte Kuna-Frau organisiert die Zeremonie.
Hier kommen auch der Sänger und die Klageweiber hinzu.
Zeremonie, um ein krankes Kind zu heilen
Der "Nele" singt und verbrennt dabei Kakaobohnen unter der Hängematte des kranken Kindes.
Auch verwendet er "Nuchus" bzw. aus Holz geschnitzte Figuren, die ihm bei seiner Arbeit helfen.
Zeremonie der Pubertät
Zuerst muss man mehrere Pflanzen und Früchte wie die Guajavaapfel pflücken, eine Frucht, die schnell oxidiert und dann alles schwarz verfärbt, womit ihr Saft in Berührung kommt.
Auch unsere Finger, und die Flecken gingen über eine Woche lang nicht mehr weg.
Zubereitung des Madun
Dies ist ein dickflüssiges und belebendes Getränk, das tagtäglich zubereitet wird.
Die Kakaobohnen werden zuerst gebrannt und verlesen. Dann gemahlen, früher in einem Metate, heute in einer Mühle aus Metall.
Dieser Teig wird dann mit zerdrückten Bananen vermischt und mit Wasser gestreckt.
Wala
Ein Teil der Kuna-Indianer lebt im Darien, im Osten Panamas, nahe der Grenze zu Kolumbien.
Wir gingen in dieses Dorf, unser Proviant wurde mit dem Pferd transportiert. Dort übernachteten wir in Zelten.
Die Mitglieder der Expedition
Sitzend: Dominique Persoone (The Chocolate Line), Willem Van Mullem (Kameramann), Mathieu Brees (Chocolatier Merida Mexico), Alex Van Geet (Kameramann)
Stehend: Jacky Vergote (Chocolatier-Consultant), Eddy Van Belle (Belcolade, Choco-Story), Agustin Otegui (Bäcker in Mexiko), Domingo Diaz (unser Kuna-Guide).
Zubereitung von Kakaobutter
Choco-Story wollte unbedingt wissen, wie die Kuna-Indianer ihren Kakaobutter zubereiten.
Wir hatten gelesen, dass die Azteken Kakaobutter für die Zubereitung von Balsam verwendeten.
Doch wie kann man ihn aus der Kakaobohne gewinnen?
Die Bohnen werden geröstet, verlesen und gemahlen.
Dieser Brei wird dann 1 bis 2 Stunden lang gekocht, wobei das Öl nach und nach an die Oberfläche steigt. Es wird mit einem Löffel abgeschöpft.
Der "Nele"
Der Nele singt während der Veranstaltung von Zeremonien.
Dabei helfen ihm "Nuchus", das sind aus Holz geschnitzte Figuren.
Zubereitung von "Ochi"
Mehrere Getränke werden mit Zuckerrohrsaft zubereitet.
Das Verfahren zum Zerdrückten des Zuckerrohrs ist mehr als originell.
Eine Person springt auf eine lange Stange, unter der das Zuckerrohr zerdrückt wird.
Der Saft wird gefiltert und dann mit Kakao und Mais oder Reis vermischt.
OCHI oder OL-LIKUA = Zuckerrohrsaft + Kakao + Mais
OROS – LIKUA = Zuckerrohrsaft + Kakao + Reis
Leguane
Das Fleisch und die Eier von Leguanen essen die Kuna-Indianer liebend gerne.
Leguane werden als Suppe gekocht oder über dem Feuer geräuchert.
Die Albinos
In den Dörfern der Kunas sieht man relativ viele Albinos.
Dies ist vermutlich auf Blutsverwandtschaft zurückzuführen.
Während die Albinos früher aufgrund einer Legende verehrt wurden, ist dies heute nicht mehr wirklich der Fall.
Während einer Sonnenfinsternis konnte der Legende zufolge nur ein Albino hinausgehen, um den Drachen zu töten, der die Sonne versteckte.
Die schwarz angemalten Kinder
Im Kontrast zu den Albinos sieht man, dass manche Kinder vom Hals bis zu den Füßen schwarz angemalt sind.
Dies soll dazu dienen, sie nicht nur vor Insektenstichen, sondern vor allem vor all dem Bösen auf der Erde zu schützen.
Der benutze Farbstoff kommt natürlich von der Guajavaapfel.
Der Kakaoanbau
Die Kuna-Indianer betreiben Mischkultur. Kaffeesträucher, Bananenstauden und Kakaobäume wachsen alle nebeneinander. Leider sind jedoch viele Kakaobäume krank, und die jungen Kuna interessieren sich nicht mehr für Landwirtschaft.